Fragen und Antworten (FAQ)
Neubau Regionalversorger Essingen
Wo genau wird der neue Regionalversorger gebaut?
Das vorgesehene Grundstück liegt am nördlichen Rand von Essingen. (Grafiken können der Presseinformation vom 24.02.2025 entnommen werden)
Das ausgewählte Grundstückes ist über die zentrale Verkehrsachse der B29 optimal angebunden. Auf Basis von Vergleichsprojekten wurde eine vorläufige Ermittlung des Flächenbedarfs durchgeführt, auf der im ersten Schritt drei Varianten eines Baumassenmodells erstellt wurden. Für den Regionalversorger wurden zehn Hektar Fläche von der Gemeinde Essingen angeboten. Auf der Fläche ist ein Klinikum mit ca. 600 Betten vorgesehen.
Was steckt hinter dem Begriff "Baumassenmodell?"
Bei dem vorgestellten Baumassenmodell handelt sich um eine vereinfachte, dreidimensionale Darstellung eines Bauvorhabens, die die grundlegenden geometrischen Eigenschaften des Gebäudes zeigt.
Das Baumassenmodell zeigt die äußeren Dimensionen und das Volumen eines Gebäudes, ohne sich auf Details wie Fenster, Türen oder Innenräume zu konzentrieren. Es vermittelt einen ersten Überblick über die Größe und Form des Bauwerks. Gleichzeitig dient es der visuellen Darstellung, um die geplante Architektur in einem städtebaulichen Kontext zu veranschaulichen und eine erste Vorstellung vom späteren Bauwerk zu bekommen.
Wichtig: Die vorgestellten Baumassenmodelle enthalten noch keine detaillierten Gebäudeansichten oder Grundrisse. Sie zeigen vielmehr, welche Flächen benötigt werden und geben einen ersten Eindruck, wie diese in einem Baukörper untergebracht werden könnten.
Was ist das "Raum- und Funktionsprogramm" und wofür wird es benötigt?
Der Klinikneubau wird nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen geplant. Es soll also nicht zunächst das Gebäude entstehen, in das dann alle Funktionen der Klinik Einzug finden, sondern es werden im ersten Schritt sämtliche klinischen Abläufe und Raumbedarfe des Klinikums exakt ermittelt und daraufhin in eine Kubatur gebracht.
Das Raum- und Funktionsprogramm dient dazu, genau diese Anforderungen und Bedürfnisse an die zu errichtenden Räume systematisch zu erfassen. In zahlreichen Arbeitsgruppen der Klinik wurden dazu die optimalen Abläufe an Modellen durchgespielt, damit später alle Abteilungen auf kürzester Distanz zusammen arbeiten können und im neuen Gebäude optimale Bedingungen vorfinden.
Hintergrund und Prozess
1. Warum sind die angekündigten Maßnahmen notwendig?
In der jetzigen Aufstellung sind die Kliniken Ostalb nicht zukunftsfähig. Dies gilt sowohl für die Finanzierbarkeit als auch für die Versorgungssicherheit.
Zurückgehende Umsätze bei gleichzeitig massiv steigenden Kosten werden in 2024 zu einem Jahresverlust von ca. 60 Millionen Euro führen. Dieser Betrag ist für den Landkreis als Träger der Kliniken und die 42 Gemeinden im Ostalbkreis, die den Verlust über die Kreisumlage ausgleichen müssen, nicht mehr zu stemmen. Wenn nicht schnell und entschieden gehandelt wird, werden die Verluste weiter steigen.
Unabhängig von der finanziellen Situation kann die Patientenversorgung wegen des zunehmenden Personalmangels sowie gleichzeitig steigender gesetzlicher Mindestvorgaben in der jetzigen Aufstellung nicht langfristig gesichert werden. Immer mehr Leistungen können nicht mehr erbracht werden, weil das Personal fehlt.
Hinzu kommen zunehmende gesetzliche Mindestvorgaben, die erfüllt sein müssen, damit ein Krankenhaus eine Leistung überhaupt anbieten und erbringen darf. Der Gesetzgeber wird voraussichtlich in den kommenden zwei Jahren sogenannte Leistungsgruppen einführen und verteilen. Damit wird dann genau festgelegt, welches Krankenhaus welche Leistung erbringen darf. Für diese Leistungen wird dann genau definiert, wie viel Personal mit welchen Qualifikationen und welche Infrastruktur dafür vorgehalten werden muss. Hinzu kommen Vorgaben, wie viele Behandlungsfälle für eine Leistung mindestens erbracht werden müssen. Kann ein Krankenhaus diese Vorgabe nicht einhalten, drohen Leistungsverbote.
Die angekündigten Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Krankenhausversorgung im Ostalbkreis jetzt aktiv zukunftsfähig und gleichzeitig wirtschaftlich tragbar aufzustellen.
2. Wenn die Lage so ernst ist, warum wird erst jetzt gehandelt?
Die Lage hat sich seit der Corona-Pandemie immer weiter verschärft, woraufhin der Landkreis frühzeitig und proaktiv die Weichen für die Zukunft gestellt hat. Die Entscheidung für das Modell Regionalversorgung im Juli 2023 sowie die Entscheidung für den Standort des Regionalversorger in Essingen im März 2024 waren notwendige und wegweisende Schritte, um die Krankenhausversorgung im Ostalbkreis zukunftsfähig aufzustellen. Auf dieser Grundlage wurde nun ein detailliertes Zukunftskonzept entwickelt mit den Hauptbestandteilen Medizinkonzept 2035 und Restrukturierung. Gerade die aktuellen Diskussionen zeigen, wie schwierig es angesichts vieler unterschiedlicher Interessen ist, schnelle und konsequente Entscheidungen zu treffen. Da sich die Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr nochmals deutlich verschärft haben, dürfen wir keine Zeit verlieren.
3. Warum hat das so lange gedauert seit dem 25.07.2023 bis zum Vorlegen des Vorschlags?
Gerade die aktuellen Diskussionen zeigen, wie schwierig es angesichts vieler unterschiedlicher Interessen ist, schnelle und konsequente Entscheidungen zu treffen. Vor dem Hintergrund war es ein großer Schritt, dass anknüpfend an die Entscheidung für das Modell Regionalversorgung im Juli 2023 dann im März 2024 die Standortentscheidung für Essingen getroffen wurde. Bis zur Vorlage des Zukunftskonzepts mit den Hauptbestandteilen Medizinkonzept 2035 und Restrukturierung hat es nur ca. 3 Monate gedauert.
4. Warum soll jetzt so schnell beschlossen werden?
Es ist bereits fünf nach zwölf. Die extremen Verluste von voraussichtlich ca. 60 Millionen Euro im Jahr 2024 sowie zunehmende Risiken für die Versorgungssicherheit bedingt durch Personalmangel und steigende gesetzliche Vorgaben, bringen die Kliniken Ostalb in eine existenzgefährdende Lage. Je länger es bis zum Beschluss eines tragfähigen Konzepts dauert, desto schwieriger wird es, die Krankenhausversorgung im Ostalbkreis zukunftsfähig und gleichzeitig finanzierbar aufzustellen. Die Umsetzung der Maßnahmen nach Beschluss werden auch Zeit benötigen. In jedem Monat kosten die Kliniken den Landkreis derzeit 5 Millionen Euro.
5. Warum ist es so schwierig, konsequente Entscheidungen zu treffen?
Die Entscheidung wird vom Kreistag getroffen, in dem 76 Mitglieder mit zahlreichen unterschiedlichen Interessen aufeinandertreffen. Bei einem so komplexen und vielschichtigen Thema wie der Krankenhausversorgung, bei dem auch viele Emotionen und lokale Standortinteressen im Spiel sind, war es nicht einfach, eine Mehrheitsentscheidung zu treffen, die gleichzeitig den Anforderungen in der Sache gerecht wird. Hinzu kommt, dass der bis dahin neue Kreistag (gewählt am 9. Juni 2024, wurde am 22. Juli 2024 erst eingesetzt) Zeit benötigte, sich in die Themen einzuarbeiten.
6. Der neue Kreistag ist erst seit kurzer Zeit im Amt – wie sollen die neuen Mitglieder so schnell eine fundierte Entscheidung treffen?
Der Landkreis und die Kliniken Ostalb haben ein intensives Einarbeitungsprogramm für den neuen Kreistag aufgelegt, damit sich die Mitglieder schnell und intensiv mit den Themen vertraut machen können, um dann möglichst zeitnah eine fundierte und verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.
So haben die neuen Kreistagsmitglieder bereits umfangreiche Präsentationsunterlagen erhalten und wurden zu mehreren kurzfristigen Informationsterminen an den Klinikstandorten eingeladen.
Zusätzlich gab es im Juli zwei Konferenzen sowie eine Fragestunde mit dem Fachgutachter , damit sich der neue Kreistag im Detail mit den Konzepten und Lösungsvorschlägen befassen konnte. Der Zeit- und Handlungsdruck für die Kliniken Ostalb ist enorm und nimmt weiter zu.
7. Was passiert, wenn der Kreistag keine Entscheidung trifft?
Je länger es bis zu einer Entscheidung über ein tragfähiges Konzept dauert, desto schwieriger wird die Ausgangslage. Die Defizite, die für den Landkreis und die 42 Gemeinden schon heute nicht mehr zu stemmen sind, werden weiter steigen. Durch den zunehmenden Personalmangel wird es immer schwieriger, Leistungen aufrechtzuerhalten. Spätestens wenn das Land die Leistungsgruppen einführt, werden wir zur Konzentration von Leistungen gezwungen und müssen Abteilungen zusammenlegen oder sogar schließen. Je schneller der Kreistag eine konsequente Entscheidung trifft, desto besser können wir die Zukunft der Krankenhausversorgung im Ostalbkreis aktiv gestalten.
Verlustsituation und Geschäftsentwicklung
8. Worauf ist das hohe Defizit der Kliniken Ostalb zurückzuführen?
Allgemein gesagt durch zurückgehende Umsätze bei gleichzeitig massiv steigenden Kosten.
Seit Corona sind die Patientenzahlen und damit die Umsätze massiv zurückgegangen. In 2023 lag die Auslastung bundesweit bei 70%, bei den Kliniken Ostalb bewegen wir uns mittlerweile bei unter 60%. Nach dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg gilt eine Bettenauslastung von 85% als wünschenswert.
Auf der anderen Seite sind die Kosten durch nicht refinanzierte steigende Strukturanforderungen (mehr Personal muss anwesend sein), Tariflohnerhöhungen, Energiepreissteigerungen und die allgemeine Inflation geradezu explodiert. Da Krankenhäuser im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen nicht die Preise erhöhen können, schlagen Kostensteigerung direkt auf das Ergebnis durch.
9. Welcher Teil des Defizits ist hausgemacht und warum?
Das lässt sich nicht genau beziffern, wir gehen in etwa von einem Viertel bis einem Drittel aus. Das Kernproblem der Kliniken Ostalb ist, dass die drei Kliniken viele Leistungen dreifach oder zumindest doppelt vorhalten. Der Kostenaufwand für das erforderliche Personal und die erforderliche Infrastruktur ist enorm. Der medizinische Bedarf, um diese Strukturen auszulasten, ist häufig nicht gegeben. Hinzu kommen weitere Faktoren wie nicht mehr zeitgemäße Prozesse oder die noch nicht ausreichend genutzten Potenziale der Digitalisierung.
10. Welche Verantwortung tragen die Mitarbeitenden? Sind sie schuld?
Die Mitarbeitenden tragen keine Schuld. Sie leisten unter schwierigen Bedingungen hervorragende Arbeit und sichern mit großem Einsatz die Krankenhausversorgung für die Menschen im Ostalbkreis.
11. Was wurde seit dem Zielbeschluss 2023 unternommen, um das Defizit zu reduzieren?
Die Kliniken Ostalb haben verschiedene Sofortmaßnahmen ergriffen, um der negativen Ergebnisentwicklung entgegenzuwirken. Dazu zählt, dass sämtliche Verträge auf den Prüfstand gestellt werden, der Einkauf komplett zentral neu aufgestellt wird und Personaleinstellungen nur bei absoluter Notwendigkeit vorgenommen werden. Derartige Einzelmaßnahmen werden aber nicht annähernd ausreichen, um die Kliniken Ostalb wirtschaftlich tragfähig aufzustellen. Die grundsätzliche Neuaufstellung, wie im Medizinkonzept 2035 vorgesehen sowie konsequente Restrukturierungsmaßnahmen sind erforderlich, um die Kliniken Ostalb zukunftsfähig und gleichzeitig wirtschaftlich tragbar aufzustellen.
12. Wie verteilt sich das Defizit auf die einzelnen Häuser und Fachabteilungen?
Die Angaben zur Verteilung des prognostizierten Defizits für 2024 sowie der Fallzahlentwicklung pro Standort kann der Präsentation aus der Kreistagssitzung vom 2. Juli 2024 entnommen werden:
Zur Wirtschaftlichkeit einzelner Fachabteilungen und Teams machen wir grundsätzlich keine Angaben. Denn die wirtschaftlichen Leistungen sind nicht isoliert voneinander zu betrachten und zu verbessern. Die großen Herausforderungen lassen sich nur ganzheitlich und gemeinschaftlich im Verbund lösen. Zudem wollen wir keine einzelnen Abteilungen, Teams oder gar Personen an den Pranger stellen. Nicht zuletzt handelt es sich dabei um wettbewerbssensible Informationen.
13. Wie werden die Verluste ausgeglichen?
Die Verluste müssen vom Landkreis als Träger ausgeglichen werden, der die Mittel wiederum über die Kreisumlage von den 42 Gemeinden im Ostalbkreis erhält. Das heißt, letztlich zahlen alle Gemeinden und Steuerzahler im Ostalbkreis für die Verluste der Kliniken. Steigende Verluste bedeuten steigende Belastungen für die Gemeinden und Steuerzahler.
14. Welche Konsequenzen hat das Ausgleichen der Verluste für den Landkreis als Träger der Kliniken?
Die Verluste bringen den Landkreis an die Grenzen der finanziellen Handlungsfähigkeit. Die für das Ausgleichen der Verluste eingesetzten Mittel fehlen dem Landkreis und den Gemeinden für andere wichtige Aufgaben. So können bspw. Straßen nicht saniert oder wichtige Investitionen, wie der Neubau einer Gemeindehalle oder eines Kindergartens, nicht getätigt werden.
15. Sind die Kliniken Ostalb insolvenzgefährdet?
Nein. Der Landkreis als Träger hat einen Pflichtauftrag und muss die Verluste ausgleichen. Dafür muss bei steigenden Verlusten die Kreisumlage erhöht und es müssen ggf. Kredite aufgenommen werden. All das geht zulasten der Steuerzahler im Ostalbkreis.
16. Welche Ergebnisverbesserung wird durch die Übergangsmaßnahmen erwartet und wie schnell wird sich dadurch das Defizit verkleinern?
Die Übergangsmaßnahmen werden eine Ergebnisverbesserung von bis zu 18 Millionen pro Jahr ermöglichen. Zunächst erfordern aber auch die Restrukturierungsmaßnahmen Investitionen und es wird 2-3 Jahre dauern, bis die Effekte vollständig eintreten.
17. Wie sollen die Verluste abgebaut werden, die nicht durch die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen reduziert werden können?
Der größere Teil des Defizits ist nicht hausgemacht, sondern liegt an der strukturellen Unterfinanzierung seitens der Bundes- und Landespolitik, weil z.B. Tariflohnerhöhungen nicht gegenfinanziert werden.
Daher kann ein Teil des Defizits der Kliniken Ostalb nur durch Finanzhilfen und Unterstützung seitens
Bund und Land behoben werden. Der Landkreis hat beim Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg bereits um umfangreiche Finanzhilfen gebeten. Ob und in welchem Umfang diese gewährt werden, ist offen. Klar ist allerdings, dass mit Finanzhilfen nur dann zu rechnen ist, wenn die eigenen Hausaufgaben gemacht werden und notwendige Veränderungen konsequent vorgenommen werden.
18. Wenn ohnehin nur ca. ein Drittel des Defizits aus eigener Kraft verringert werden kann – warum wartet man nicht, bis die Politik die anderen zwei Drittel ausgeglichen hat und akzeptiert das verbleibende Drittel weiterhin als Investition in die Krankenhausversorgung im Ostalbkreis?
Es ist unklar, ob und in welchem Umfang die Bundes- oder Landespolitik finanziell unterstützt. In jedem Fall ist mit Finanzhilfen nur dann zu rechnen, wenn die eigenen Hausaufgaben gemacht und notwendige Veränderungen konsequent vorgenommen werden. Das bedeutet, Doppel- und Dreifachvorhaltung von Leistungen abzubauen. Spätestens mit Einführung der Leistungsgruppen müssen diese ohnehin abgebaut werden und dürfen gar nicht aufrechterhalten werden, selbst wenn man sich dies finanziell leisten wollen würde.
19. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Finanzhilfen seitens der Bundes-und Landespolitik gibt?
Bis jetzt ist die Bundes- und Landespolitik außerordentlich zurückhaltend. Die Krankenkassen machen derzeit hohe Defizite. Teilweise werden Klinikinsolvenzen sogar bewusst in Kauf genommen. Der Bundesgesundheitsminister hat schon mehrfach geäußert, dass Deutschland über zu viele Krankenhäuser verfügt. In jedem Fall ist mit Finanzhilfen nur dann zu rechnen, wenn die eigenen Hausaufgaben gemacht werden und notwendige Veränderungen konsequent vorgenommen werden. Die zukünftige Krankenhausfinanzierung wird sicherlich an die Einhaltung der Leistungsgruppen sowie die jeweils vorgeschriebenen Qualitäts- und Mengenvorgaben geknüpft werden.
20. Falls es keine Finanzhilfen für den externen Anteil am Defizit gibt, lohnen sich dann die eigenen Anstrengungen überhaupt?
Unbedingt. Die 18 Millionen Ergebnisverbesserung, die bereits mit den Übergangsmaßnahmen erzielt werden können, sind eine notwendige und signifikante Entlastung für den Kreishaushalt und damit die Gemeinden im Ostalbkreis. Zudem wird die zukünftige Krankenhausfinanzierung sicherlich an die Einhaltung der Leistungsgruppen sowie die jeweils vorgeschriebenen Qualitäts- und Mengenvorgaben geknüpft. Die vorgeschlagenen Konzepte und Maßnahmen berücksichtigen dies und tragen dadurch nicht nur zur unmittelbaren Ergebnisverbesserung bei, sondern sichern auch die Finanzierbarkeit für die Zukunft.
21. Kann bei Umzug in den Regionalversorger in Essingen in ca. 2035 eine „schwarze Null“ erreicht werden?
Grundsätzlich ja. Aber das ist aus heutiger Sicht nicht abschließend zu beantworten, da sich die Rahmenbedingungen sicherlich weiter sehr dynamisch entwickeln werden. Die Konzepte und Maßnahmen sind aber so aufgelegt, dass damit die Krankenhausversorgung im Ostalbkreis zukunftsfähig und finanzierbar aufgestellt werden kann. Wenn sich die Rahmenbedingungen wesentlich ändern, müssen natürlich auch die Planungen entsprechend überprüft und ggf. angepasst oder weiterentwickelt werden.
Notfallversorgung
22. Kritiker behaupten, dass durch das neue Konzept nur noch 88% der Bevölkerung versorgt werden. Was ist mit den übrigen 12%?
Hier werden verschiedene Dinge vermischt, die unterschieden werden müssen. Der neue Regionalversorger wird für 88% der Bevölkerung des Ostalbkreises in 30 Minuten mit dem PKW zu erreichen sein, was eine sehr gute Abdeckung bedeutet und zeigt, dass Essingen der richtige Standort für das große zentrale Krankenhaus im Landkreis ist. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass 12% nicht versorgt werden. Sowohl in der Notfallversorgung als auch grundsätzlich sichert das vorgelegte Konzept für die Zukunft eine hochwertige Krankenhausversorgung für alle Menschen im Ostalbkreis:
als sektorenübergreifender Versorger mit stationären und ambulanten Angeboten sowie 24/7 Notaufnahme spielt Ellwangen auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der wohnortnahen Gesundheitsversorgung
- im Notfall rufen Patienten den Rettungsdienst und gehen nicht selbst ins nächstgelegene Krankenhaus – wichtiger als die Entfernung zwischen Wohnort und Krankenhaus ist daher, dass
1. der Rettungsdienst schnell vor Ort ist, der die Erstversorgung und Stabilisierung übernimmt
2. der Rettungsdienst die Patienten dann innerhalb der „goldenen Stunde“ in das RICHTIGE Krankenhaus bringt - die „goldene Stunde“ wird für 100% der Menschen im Ostalbkreis heute und auch in Zukunft eingehalten. Die „goldene Stunde“ besagt, dass bei zeitkritischen Notfällen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) innerhalb einer Stunde die Behandlung im RICHTIGEN Krankenhaus beginnen soll diese Notfälle werden auch schon heute nicht nach Ellwangen gebracht
zutreffend ist: da die geplante 24/7 Notaufnahme in Ellwangen internistisch ist (ohne Unfallchirurgie), wird bei einigen leichten Notfällen sowie planbaren Behandlungen der Weg
weiter als heute nach Ellwangen sein bei beispielsweise gynäkologischen, viszeralchirurgischen oder urologischen Krankheitsbildern war langfristig nie ein Leistungsangebot in Ellwangen geplant - zudem gehen einige Menschen auch in Krankenhäuser benachbarter Landkreise; bei planbaren Behandlungen (z. B. Hüft- oder Knieoperationen) suchen Menschen in der Regel das jeweils
beste Krankenhaus aus, nicht das nächste
23. Wie wird sichergestellt, dass die Menschen in Ellwangen und im Osten des Landkreises versorgt werden, wenn es in Ellwangen keine Notaufnahme mehr gibt?
In Ellwangen wird es auch in Zukunft eine 24/7 Notaufnahme geben.
Diese wird allerdings internistisch sein (ohne Unfallchirurgie) und daher weniger Krankheitsbilder versorgen können als heute. Dies betrifft aber nur leichte Notfälle, da schwere Notfälle auch heute schon in aller Regel nicht nach Ellwangen gebracht werden. Die Notfallversorgung bleibt auch in der neuen Struktur für alle Menschen im Landkreis gesichert. Bei schweren, zeitkritischen Notfällen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) sollten Patienten auf jeden Fall den Rettungsdienst rufen und nicht selbst ins Krankenhaus gehen.
Wichtiger als die Entfernung zwischen Wohnort und nächstem Krankenhaus ist daher, dass der Rettungsdienst schnell vor Ort ist und dass der Rettungsdienst den Patienten innerhalb der „goldenen Stunde“ dann ins RICHTIGE (nicht nächstgelegene) Krankenhaus bringt. Diese Fälle werden, wie bereits geschrieben, auch heute schon nicht nach Ellwangen gebracht. Insofern ändert sich bei schweren Notfällen in der Notfallversorgung auch für die Menschen in Ellwangen und im Osten des Landkreises nichts und die „goldene Stunde“ wird auch zukünftig bei einem Transport nach Essingen eingehalten.
Die „goldene Stunde“ besagt, dass bei zeitkritischen Notfällen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) innerhalb einer Stunde die Behandlung im RICHTIGEN Krankenhaus beginnen soll.
Bei leichten Notfällen suchen Menschen, wie auch heute schon, in der Regel einen niedergelassenen Arzt, die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung oder die Notaufnahme, die in Ellwangen auch in Zukunft 24/7 besetzt sein wird, auf. Da die Notaufnahme in Ellwangen internistisch sein wird (ohne Unfallchirurgie) kann es sein, dass Patienten von dort in ein anderes Krankenhaus weiterverwiesen
werden, bzw. grundsätzlich einen weiteren Weg haben als bislang. Dies ist bei leichten Notfällen aber medizinisch unbedenklich und eine leider unvermeidbare Konsequenz der notwendigen Konzentration in der Krankenhausversorgung.
24. Warum soll es in Ellwangen zukünftig keine Basisnotfallversorgung nach G-BA mehr geben?
Für die Basisnotfallversorgung nach G-BA (Gesetzlicher Bundesausschuss) gelten hohe Anforderungen an das dafür vorzuhaltende Personal und die Infrastruktur, die jeweils 24/7 vorgehalten werden müssen:
- Krankenhäuser der Basisnotfallversorgung verfügen mindestens über die Fachabteilungen
Chirurgie oder Unfallchirurgie und Innere Medizin am Standort - 1 für die Notfallversorgung verantwortlicher Arzt und 1 Pflegekraft, fachlich, räumlich und organisatorisch eindeutig der Versorgung von Notfällen zugeordnet und im Bedarfsfall verfügbar sind
- der zugeordnete Arzt verfügt über die Zusatzweiterbildung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ und die Pflegekraft verfügt über die Zusatzqualifikation „Notfallpflege“
- jeweils ein Facharzt im Bereich Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie innerhalb von maximal 30 Minuten am Patienten verfügbar
- Intensivstation mit mindestens sechs Betten vor, von denen mindestens drei zur Versorgung beatmeter Patienten ausgestattet sind
- 1 Schockraum
- 24-stündig verfügbare computertomographische Bildgebung
- Möglichkeit der Weiterverlegung eines Notfallpatienten in ein Krankenhaus einer höheren Notfallstufe auch auf dem Luftweg, ggf. unter Nutzung eines bodengebundenen Zwischentransports
Schon heute sind in Ellwangen die Fallzahlen zu niedrig, um diese Strukturen auszulasten. Neben dem hohen Kostenaufwand ist es angesichts des zunehmenden Personalmangels immer schwieriger, das zum Aufrechterhalten dieser Strukturen erforderliche Personal zu finden. Zudem sind die geringen Fallzahlen auch aus Qualitätsgründen problematisch. Der G-BA schreibt dazu: „Sind medizinische Behandlungen oder Operationen besonders schwierig und risikoreich, wird das Ergebnis der Behandlung mit zunehmender Erfahrung der Ärztin bzw. des Arztes oder des Behandlungsteams in der Regel besser.
Für Patientinnen und Patienten heißt das also: Solche Eingriffe sind erfolgreicher und seltener mit Komplikationen verbunden, wenn sie in einem Krankenhaus oft durchgeführt werden. Abläufe und Teamarbeit sind eingespielt, erfahrenes pflegerisches und ärztliches Personal vorhanden.“
25. Was wird die geplante 24/7 Notaufnahme in Ellwangen leisten können?
Die Abteilung für Allgemeine Innere Medizin stellt die internistische Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung in der Region wohnortnah sicher. Dies umfasst allgemeinmedizinische Erkrankungsbilder, aber auch die Versorgung von diversen internistischen akuten Krankheitsbildern, insbesondere des Verdauungstraktes, Erkrankungen der Lunge, Infekte, akute Verschlechterungen des Allgemeinzustandes bei chronischen Erkrankungen wie entgleister arterielle Hypertonie, dekompensierte Herzinsuffizienz, Exazerbation chronischer Atemwegserkrankungen, Niereninsuffizienz, entgleister Diabetes mellitus, Demenz, etc.
Die moderne und technisch gut ausgestattete Zentrale Notaufnahme sichert stets die gute Erstversorgung auch bei schweren Notfällen und bei Bedarf umgehend den Kontakt (u.a. telemedizinische Anbindung an Aalen/Essingen) mit versierten Fachärzten. Wesentliche Untersuchungen und therapeutische Maßnahmen können hier erfolgen.
Notfallmaßnahmen im Gebiet Innere Medizin
- Stufendiagnostik und Therapie bei akut einsetzenden Leitsymptomen, z.B.
Dyspnoe
Thoraxschmerz
Bauchschmerz
passagere und persistierende Bewusstseinsstörungen
Fieber, Erbrechen, Durchfall
- Therapie von Stoffwechselentgleisungen
- Notfallsonographie
- Notfallbronchoskopie
Diagnostik und Notfallversorgung akuter und vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände, insbesondere:
- respiratorische Insuffizienz
- Schock
- kardiale Insuffizienz
- akutes Nierenversagen
- sonstiges Ein- und Mehrorganversagen
- Koma und Delir
- Sepsis
- Intoxikationen
Die Notaufnahme wird telemedizinisch an die Notaufnahme in Aalen bzw. Essingen angebunden sein, sodass kurzfristig diagnostischer fachärztlicher Support weiterer Disziplinen hinzugezogen werden kann.
26. Wird die geplante 24/7 Notaufnahme in Ellwangen überhaupt vom Rettungsdienst angefahren?
Die St. Anna-Virngrund-Klinik in Ellwangen ist weiterhin ein Krankenhaus mit einer Notfallversorgung.
Entsprechend nimmt die Klinik weiterhin an der regulären Versorgung teil und kann durch den Rettungsdienst angefahren werden, sofern die vorgehaltene Struktur in Ellwangen die Richtige und
Notwendige für den Patienten ist.
27. Wer übernimmt die geplante 24/7 Notaufnahme in Ellwangen?
Die 24/7 Notaufnahme wird von der Klinik mit Klinikpersonal betrieben.
28. Wie wird sichergestellt, dass die für die 24/7 Notaufnahme in Ellwangen benötigten Ärzte vorhanden sind?
Grundsätzlich ist es die Aufgabe der Kliniken Ostalb, ausreichend Ärzte für alle Fachabteilungen an drei Standorten vorzuhalten bzw. zu rekrutieren. Für eine attraktive Ausbildung der Assistenzärzte wird eine Rotation in diverse Spezialfächer an den einzelnen Standorten ermöglicht.
29. Was ist der Unterschied zwischen der geplanten 24/7 Notaufnahme in Ellwangen und der Notfallpraxis der kassenärztlichen Vereinigung?
Die geplante 24/7 Notaufnahme wird von der Klinik mit Klinikpersonal betrieben. Die ebenfalls am Klinikstandort angesiedelte Notfallpraxis wird von der Kassenärztlichen Vereinigung und niedergelassenen Ärzten betrieben. Diese hat aktuell samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr geöffnet, da hier die Arztpraxen geschlossen haben. Kleinere Notfälle, mit denen man wochentags zum Haus- oder Facharzt gehen würde, können hier behandelt werden.
Die für Ellwangen geplante 24/7 Notaufnahme wird aber keine zusätzlichen Aufgaben für die niedergelassenen Ärzte bringen, sondern diese in ihrem ambulanten Versorgungsauftrag entlasten.
30. Müssen die niedergelassenen Ärzte in Ellwangen zukünftig mehr Arbeit in der Notfallversorgung übernehmen?
Nein. Die niedergelassenen Ärzte sind auch heute schon in der ambulanten Notfallversorgung aktiv und betreiben die Notfallpraxis am Klinikstandort. Die für Ellwangen geplante 24/7 Notaufnahme wird von der Klinik mit Klinikpersonal betrieben und keine zusätzlichen Aufgaben für die niedergelassenen Ärzte bringen, sondern diese in ihrem ambulanten Versorgungsauftrag entlasten. Bereits jetzt versuchen der Landkreis und die Kliniken Ostalb über verschiedene MVZ-Angebote, den Wegfall von Facharztangeboten aufzufangen und durch eigene Angebote zu substituieren.
31. In Mutlangen sollen mit Fertigstellung des Regionalversorgers zukünftig nur noch leichte Notfälle versorgt werden. Was passiert bei schweren Notfällen?
Schwere Notfälle kommen auch heute schon in große Zentren, wo sie bestmöglich von spezialisierten Experten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen versorgt werden. Diese Aufgabe wird in der Übergangszeit das Ostalb-Klinikum in Aalen und dann im Zielbild 2035 der Regionalversorger in Essingen übernehmen. Beide Standorte sind vom Rettungsdienst von allen Gebieten des Ostalbkreises in der angestrebten „goldenen Stunde“ zu erreichen.
32. Welche Notfälle kommen zukünftig nach Mutlangen?
Basisversorgung Unfallchirurgie (kleinere Verletzungen, Brüche, Unfälle etc.), Basisversorgung Innere Medizin, Basis Intensiv
33. Können weiterhin Schlaganfälle und Herzinfarkte in Mutlangen behandelt werden?
Nein, schwere Notfälle kommen auch heute schon in große Zentren, wo sie bestmöglich von spezialisierten Experten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen versorgt werden. Diese Aufgabe wird in
der Übergangszeit das Ostalb-Klinikum in Aalen und dann im Zielbild 2035 der Regionalversorger in Essingen übernehmen. Beide Standorte sind vom Rettungsdienst von allen Gebieten des Ostalbkreises
in der angestrebten „goldenen Stunde“ zu erreichen.
Schließung OP in Ellwangen
34. Warum soll der OP in Ellwangen geschlossen werden?
Im Ostalbkreis gibt es nur den Bedarf und die Kapazität für zwei OP-Zentraleinheiten, daher ist die Konzentration von drei auf zwei OP-Zentraleinheiten unbedingt erforderlich. Mutlangen und Aalen müssen aufgrund ihrer Größe und sonstigen notwendigen Infrastruktur weiterhin einen OP-Betrieb
vorhalten.
Die Vorhaltung der personellen Strukturen zum Betrieb eines gut ausgelasteten OPs sind sehr kostenintensiv und personalaufwändig. Zusätzlich zu den operierenden Ärzten wird ein Anästhesieteam (Arzt und Pflegekraft) für die Narkosen benötigt. Außerdem werden OTA (operationstechnische Assistenten), Pflegekräfte im OP und im Aufwachraum benötigt. Eine Sterilisationseinheit und natürlich ein Team von Reinigungskräfte müssen vorgehalten werden. Und dies natürlich am besten rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr.
35. In Ellwangen gibt es moderne OP-Räumlichkeiten, in die sehr viel Geld investiert wurde – ist das dann alles verloren?
Eine weitere Nutzung der OP-Räumlichkeiten in Ellwangen ist nicht geplant. Die Hauptkosten entstehen nicht nur durch den Bau, sondern insbesondere durch extrem hohe Betriebskosten bei Personal und Technik, die sich jährlich im Millionen-Bereich bewegen. Mit bundesweit sinkenden Fallzahlen können diese Strukturen nicht mehr wirtschaftlich ausgelastet werden.
36. Warum werden nicht die Operationen von Aalen nach Ellwangen verlagert und das Geld für die notwendige Sanierung der OPs in Aalen gespart?
Das Aufkommen an Operationen in Aalen kann nicht in Ellwangen aufgefangen werden. Die OP-Zentraleinheiten in Mutlangen und Aalen sind größer als die Einheiten in Ellwangen. Außerdem kann in der Mitte des Kreises mit diversen Spezialeinrichtungen im Bereich der Interventionen (u.a. Herzkatheter), großer Intensivstation, regionalem Traumazentrum, Neurochirurgie, etc. nicht auf eine funktionsfähige OP-Einheit verzichtet werden. Die Investition ist unabhängig der geplanten Restrukturierung zwingend erforderlich.
37. Was passiert mit den OP-Räumen, wenn sie nicht mehr genutzt werden?
Nachnutzungskonzepte müssen erarbeitet werden. Eine Vermietung an Dritte ist vorstellbar.
38. Warum können nicht trotzdem elektive Operationen z.B. durch niedergelassene Ärzte in Ellwangen durchgeführt werden?
Viele Kosten im OP-Betrieb entstehen, sobald die Technik mit Personal in Betrieb genommen wird. Das OP-Aufkommen kann mit den Einheiten in Aalen und Mutlangen abdeckt werden. Eine dritte Einheit erfordert eine weitere dritte OP-Struktur in der Vorhaltung.
Verlagerung Urologie Ellwangen nach Mutlangen
39. Warum soll die Urologie nach Mutlangen verlegt werden, wenn sie dann sowieso nach Essingen kommt; Kann der „Leuchtturm-Status“ in Ellwangen nicht erhalten bleiben?
Die Urologie hat in Mutlangen deutlich bessere Synergien zu kooperierenden Disziplinen wie Onkologie, Chirurgie oder Gynäkologie. Davon wird die Urologie in den Jahren der Übergangszeit profitieren und dann eingespielt mit den anderen Abteilungen nahtlos nach Essingen wechseln können.
Auch ist in Mutlangen eine deutlich bessere Erfüllung der Strukturvorgaben sowie der Vorgaben für die erwarteten Leistungsgruppen möglich. Zudem erhält Mutlangen dadurch die 5. Entität für das
Onkologische Zentrum.
In Mutlangen besteht auch die Möglichkeit, Robotertechnologie einzusetzen. Ein solches System kostet 0,5 Mio. EUR pro Jahr und ist nur rentabel, wenn es von mehreren Fachdisziplinen genutzt wird. In Mutlangen sind das dann neben der Urologie auch die Viszeralchirurgie und die Gynäkologie.
Nicht zuletzt macht die notwendige Konzentration von drei auf zwei OP-Zentraleinheiten im Ostalbkreis (s.o.) eine Verlagerung der Urologie erforderlich, da diese einen OP-Betrieb voraussetzt.
In Ellwangen wäre die Urologie weitgehend isoliert von wichtigen kooperierenden Disziplinen, was einen „Leuchtturm“-Status nicht möglich macht.
Nicht zuletzt macht die notwendige Konzentration von drei auf zwei OP-Zentraleinheiten im Ostalbkreis (s.o.) eine Verlagerung der Urologie erforderlich, da diese einen 24/7-OP-Betrieb voraussetzt.
Konzentration der Kinderklinik in Aalen
40. Warum soll die Kinderklinik in Aalen konzentriert werden?
Im Ostalbkreis gibt es nur den Bedarf und die personelle Kapazität für eine Kinderklinik. Dies wird aller Voraussicht nach mit der Einführung von Leistungsgruppen auch so eingefordert und hat auch das Sozialministerium Baden-Württemberg so bestätigt. Gemäß den Bestimmungen des Gemeinsamen
Bundesauschusses (G-BA) muss die Kinderklinik innerhalb von 40 Minuten erreichbar sein, was am ehesten in Aalen zu erfüllen ist.
Zudem bringt die Zusammenlegung der Kinderklinik eine jährliche Ergebnisverbesserung von 2 Mio. EUR, da besonders viele Honorarkräfte in den beiden Kinderkliniken im Einsatz sind.
41. In Mutlangen ist doch jetzt die höhere Versorgungsstufe, das Level 1, für Frühchen, die aktuell aus dem gesamten Ostalbkreis nach Mutlangen gebracht werden. Dann müsste doch die Kinderklinik aus Aalen nach Mutlangen ziehen?
Gemäß den Bestimmungen des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) muss die Kinderklinik innerhalb von 40 Minuten erreichbar sein, was am ehesten in Aalen zu erfüllen ist.
Beschluss Modell Regionalversorger 2035
42. Was wurde am 25.07.2023 im Kreistag beschlossen und was ist jetzt anders zum Beschluss von vor einem Jahr?
Im Juli 2023 wurde beschlossen, dass im Ostalbkreis ein zentraler Regionalversorger mit allen wichtigen Fachdisziplinen für den gesamten Landkreis entstehen soll. Die beiden Standorte in Mutlangen und Ellwangen sollten für die wohnortnahe Grundversorgung erhalten und weiterentwickelt werden, die sich zwischen den damals aufgeworfenen Level 1n und Leven 1i bewegen sollte.
Dies sieht das jetzt vorgelegte Konzept auch so vor. Jedoch ist durch die im vergangenen Jahr weiter verschärften Rahmenbedingungen und die zwischenzeitlichen konkretisierten Reformbestrebungen von Bund und Land in Ellwangen eine Umwandlung der Klinik zum sektorenübegreifenden Gesundheitsversorger notwendig. Dies war so vor einem Jahr noch nicht absehbar. Insgesamt knüpfen die jetzt vorgelegten Konzepte an die Entscheidung vom Juli 2023 an und nehmen die zur Umsetzung erforderlichen Weiterentwicklungen und Konkretisierungen vor. Auch die Erwartungen an die Bundespolitik nach einer besseren Finanzierung wurden bisher nicht erfüllt.
43. Wenn Ellwangen zum sektorenübergreifenden Gesundheitsversorger (Level 1i) umgewandelt wird, ist die Platzierung des zentralen Regionalversorgers in Essingen dann noch richtig?
Ja. Auch als sektorenübergreifender Gesundheitsversorger bleibt Ellwangen vor Ort 24/7 wohnortnah
erreichbar. Schwere Notfälle werden auch heute schon nicht nach Ellwangen gebracht. Hier wurde von Anfang an in der Standortentscheidung mit Essingen der beste Standort für den gesamten Ostalbkreis
ermittelt. Die Standorte in Mutlangen und Ellwangen haben bei der Standortauswahl durch den Gutachter Endera keine Rolle gespielt.
44. Ist gesichert, dass der Regionalversorger in Essingen auch tatsächlich gebaut wird?
Ja, das Modell Regionalversorger ist richtig und Essingen ist der richtige Standort. Dies sind die Ausgangsbasis und die Grundlage für die vorgelegten Konzepte und Maßnahmen.
Einige wichtige Zusammenführungen von Abteilungen und weitere Konzentrationsprozesse können erst mit einem neuen Regionalversorger baulich vollzogen werden.
45. Warum ist das Modell Regionalversorgung auch nach dem Beschluss vor einem Jahr der richtige Weg? Was sagen externe Gutachter dazu?
Konzentration und Spezialisierung sind unumgänglich, um die Krankenhausversorgung angesichts der großen Herausforderungen zukunftsfähig aufzustellen. Es kann nicht mehr jedes Krankenhaus alles anbieten. Dafür gibt es weder ausreichend Personal noch ausreichend finanzielle Mittel. Zudem wird der Gesetzgeber dies mit der zeitnah erwarteten Einführung der Leistungsgruppen auch gar nicht mehr zulassen. Das Modell Regionalversorgung ist notwendig und zielführend, da sind sich Experten und Gutachter einig.
Reformbesprechungen auf Bundes- und Landesebene
46. Welche finanziellen, personellen und strukturellen Auswirkungen würde die Krankenhausreform auf die Kliniken Ostalb haben, wenn wir nichts verändern?
Sowohl die Krankenhausreform des Bundes als auch die vom Land Baden-Württemberg unabhängig davon angekündigte Einführung der Leistungsgruppen werden dazu führen, dass klar festgelegt wird, welches Krankenhaus zukünftig welche Leistungen erbringen darf und welche Vorgaben an Personal, Infrastruktur und Fallzahlen dafür zu erbringen sind. Damit ist zwangsläufig verbunden, dass Abteilungen zusammengelegt oder, insbesondere an kleinen Standorten, geschlossen werden müssen. Da mit den Vorgaben sowohl der Personal- als auch der Finanzierungsbedarf steigen werden, wird die Konzentration von Leistungen an großen Standorten zwangsweise erfolgen. Jetzt haben die Kliniken Ostalb noch die Chance, die notwendigen Veränderungen selbst zu gestalten, bevor sie dazu gezwungen werden.
47. Warum warten wir nicht, bis die neue Krankenhausreform des Bundes und die neue Landeskrankenhausplanung verabschiedet sind?
Die Richtung der Reformbestrebungen von Bund und Land liegen auf der Hand, es ist nicht nötig, zu warten. Jetzt haben die Kliniken Ostalb noch die Chance, die notwendigen Veränderungen selbst zu gestalten, bevor sie dazu gezwungen werden. Zudem verschlechtert sich die Ausgangslage weiter, solange nicht gehandelt wird. Die geplanten Maßnahmen sind aus unserer Sicht aber auch unabhängig der Reformbestrebungen notwendig, um die Kliniken Ostalb zukunftsfähig aufzustellen.
48. Wenn wir jetzt schon die Weichen stellen – was passiert, wenn die Krankenhausreform dann doch nicht oder ganz anders kommt?
Die Krankenhausreform setzt an den gleichen Herausforderungen an, wie das Zukunftskonzept der Kliniken Ostalb. Falls die Reform nicht durchgesetzt wird, bleiben die Herausforderungen trotzdem bestehen und die Notwendigkeit, selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, wird noch größer.
Das Land Baden-Württemberg hat bereits angekündigt, dass die Leistungsgruppen eingeführt werden sollen, auch wenn die Krankenhausreform des Bundes nicht kommt. Insofern ist die Richtung klar, es gibt keinen Grund und auch keine Möglichkeit formal auf die Bundes- oder Landespolitik zu warten.